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| Stork - Erinnerungen aus der Zeit von 1960 bis 1975
![]() Zeichnung von Sofie Stork zur Verzierung des 53er Katalogs.
Kindheitserinnerungen Wenn ich heute in München in die Residenzstraße komme, werden alte Erinnerungen wieder wach. Erinnerungen an eine Zeit, als unter der Hausnummer 24 noch die alt-ehrwürdige Firma „H. Stork“ ansässig war. Über diese möchte ich im Folgenden einige kleine Erlebnisse berichten. Doch der Reihe nach. Geboren und aufgewachsen bin ich in einem kleinen Städtchen an der Isar in Niederbayern. Direkt neben dem Elternhaus der Mühlbach und keine 200 Meter daneben die Isar. Kein Wunder, dass ich schon in sehr jungen Jahren die Anziehungskraft fließenden Wassers verspürt habe. Bei den Erkundungen der näheren Umgebung sind mir auch Leute aufgefallen, die einer eigenartigen Beschäftigung nachgingen: sie angelten. Und ich wurde sehr schnell zum leidenschaftlichen Zuschauer. Mein erster Fisch, dessen Landung ich live erleben konnte, war eine Nase. Angebissen hatte sie bei unserem Polizisten und er fischte mit einer Perlonrute. Damals kamen gerade die Vollglasruten auf den Markt. War ihre Farbe weißlich gelb, wurden sie bei uns Perlongart´n genannt, waren sie grün, sagte man zu ihnen Nylongart´n. Sie waren so wunderschön kurz und handlich und so etwas wollte ich später auch mal haben. Denn die langen Bambus- und Pfefferrohrruten, mit denen die Mehrheit der Angler noch hantierte, haben mir damals gar nicht gefallen. Die meisten Angler in unserer Gegend besaßen Mitte der Fünfziger Jahre offensichtlich nur eine Angelrute. Zumindest war das der Rückschluss für mich, weil fast jeder Petrijünger immer mit dem selben Zeug an den für Angler und uns jugendliche Zuschauer gleichermaßen beliebten Stellen wie Fischerbrückerl und Asenbacheinlauf - „Hot Spots“ auf Neudeutsch - anrückte. Deshalb bekamen sie im internen Sprachgebrauch zwischen mir und meinem jüngeren Bruder, der inzwischen ebenfalls von einer Art Zuschauerfieber befallen worden war, auch oft geheime Spitznamen. So war zum Beispiel der verdiente Rangiermitarbeiter vom Bahnhof nicht Herr K., sondern der Müggler, weil jener immer mit einer DAM Müggelsee am Wasser aufkreuzte. Zum Schwerbleifischen auf Barben ebenso wie im zeitigen Frühjahr mit Made oder Mistwurm auf Brachsen, Nasen und Rotaugen. Und wie sah es mit den Rollen so aus? Das Silk, wie die moderne und damals auch schon ausnahmslos verwendete Perlonschnur genannt wurde, war zum überwiegenden Teil noch auf einfachen Achsenrollen aufgewickelt. Eine kleine, exklusive, fortschrittlichere oder vielleicht auch nur begütetere Gruppe konnte aber schon stolz eine Weitwurfrolle aka Stationärrolle vorweisen. Deren Vielfalt beschränkte sich allerdings - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - auf zwei Ausführungen. Entweder das dunkelrote oder das schwarze Modell. Für Insider ganz klar: Es waren die Junior und die Standard von DAM. Die zu der Zeit in andern Regionen offensichtlich noch sehr häufig verwendeten Multiplikatorrollen habe ich bei uns an der Isar nie im Einsatz gesehen. Schuld an dieser Uniformität war sicherlich auch das Angebot des ortsansässigen Waffen- und Fischereigerätehändlers. Was der nicht auf Lager nahm, konnte man weder kennen noch kaufen. Meine erste Angelrute wurde auch bei diesem Händler erworben. Es war eine 1,8m lange zweiteilige Vollglasrute von SOL und ein Jahr später konnte ich dann sogar schon von einer alten Nottingham, einem Speicherfund aus dem Elternhaus, auf die gerade neu erschienene Spinnfix hochrüsten. So ausstaffiert machte ich anglerisch meine ersten Gehversuche. Offiziell natürlich erst, nachdem ich die Fischerprüfung 1959 abgelegt, in den örtlichen Kreisfischereiverein eingetreten und im Besitz einer Jahreskarte für Jungangler war. Weil sich am Anfang die Erfolge recht zäh einstellten, habe ich erfahreneren Kollegen eifrig über die Schulter geschaut und mich vor allem mit der Theorie aus Büchern beschäftigt. Zu den Büchern zählten natürlich auch die Kataloge, die ein zweiter inzwischen am Ort etablierter Händler ausliegen hatte. Das waren der DAM-Katalog Nr.26, der von Noris und der gelb-schwarze A-11-60 von Balzer. Denn mit besseren Gerätschaften - da war ich mir sicher - würde unweigerlich auch bei mir die Erfolgsquote steigen. Eine einfache und für mich schlüssige, aber natürlich total falsche Annahme... In dem Zusammenhang und beim Blättern in der Fachzeitschrift „Fisch und Fang“ bin ich irgendwann auch auf die Inserate der Fa. H. Stork in München gestoßen, in denen ein gewaltiger präparierter Huchen im Schaufenster zu sehen war. Der hatte mein Interesse ganz besonders erweckt. Der erste Besuch bei Stork In den Osterferien 1960 kam es dann zur ersten Begegnung mit Stork. Unsere Tante, die öfters in München zu tun hatte, hatte meinen Bruder und mich mitgenommen. Wir wurden in der Residenzstraße abgesetzt und sollten in zwei Stunden wieder abgeholt werden. Und für die letzte gute Lateinarbeit war auch noch ein symbolischer Einkaufsgutschein zugesagt. Da standen wir zwei Provinzpflanzen also vor dem Mekka des Angelsports mit dem Huchen in der Auslage, jetzt greifbar nahe. Er war im linken, großen Schaufenster mit einigen wenigen, teilweise recht exotisch erscheinenden Accessoires der Blickfang schlechthin. Rechts daneben leicht zurück versetzt die Eingangsglastüre und daneben noch mal ein Schaufenster, viel kleiner als das mit dem Huchen. Darin waren ausschließlich Hundeartikel ausgestellt. ![]() Das Stork Ladengeschäft mit dem besagten Huchen (Katalog 60/1).
Nach dem Eintreten wurden wir von einem Herrn mit dunklem Haar und Brille mittleren Alters begrüßt. Er war korrekt gekleidet und hätte vom Äußeren her auch bei einem der teuren Herrenausstatter - wie Dietl ganz in der Nähe - bestimmt eine gute Figur abgegeben. Es war Herr Strzoda, wie sich später herausstellte und er war nach eigener Einlassung auch der glückliche Fänger des Huchens in der Auslage. Aus der Loisach, wie er uns irgendwann mal verraten hatte. Der große Verkaufsraum war sehr modern eingerichtet. Links eine lange Reihe von Verkaufstischen mit Glasfront und Schubfächern, dahinter an der Wand ein ellenlanges Regal mit Schubladen. Rechts an der Wand waren die Angelruten fertig zusammengesteckt wie die Soldaten aufgereiht. Die kürzeren über einem tischhohen Unterbau, daneben die längeren direkt vom Boden weg. Herrn S. war wohl nicht entgangen, dass wir beide von dem Gebotenen ziemlich überwältigt waren. Er wandte sich darauf wieder von uns ab mit den Worten, dass wir uns in Ruhe umschauen und die ausgestellten Ruten auch in die Hand nehmen dürften. Das war ein höchst willkommenes Angebot und das große Stöbern konnte beginnen. ![]() Münchner Chic im Innern (Katalog 60/1).
Während das Interesse meines Bruders mehr den Kunstködern galt, hatten es mir vor allem die Angelruten angetan. Diese Fülle! Und das Schöne daran war, dass man sie sogar ausprobieren konnte. Bei einer Raumhöhe von gut vier Metern war die Simulation eines Überkopfwurfes mit einer mittellangen Spinnrute kein Problem. Ich habe dabei auch schnell raus gefunden, dass die eine Rute ein viel besseres Stehvermögen hatte als eine andere auf den ersten Blick vergleichbare. Besonders die in der schlichten Ausführung zeigten sich besonders leistungsfähig. „Das ist eine Milward aus England, mit der fische ich auch“ und ähnliche Kurzkommentare zeigten, dass Herr S. aus deutlichem Abstand meine Aktivitäten durchaus interessiert verfolgte. Ein Blick meinerseits auf das Herstellerlabel bestätigte, dass hier kein Irgendwer die Ladenaufsicht hatte. Ein zweiter Blick auf das Preisschild aber auch, dass eine Milward für mich als Schüler wohl doch nicht die richtige Liga wäre. D.A.M. Traumrute Als ich mich anlässlich eines weiteren Besuches Anfang 1961 wieder ausgiebig mit den Rutenangeboten auseinandersetzen konnte und in Selbstgesprächen wie „das ist also die Concordia von Noris ... hätte ich mir viel schwippiger vorgestellt“ vertieft war, ist mir eine dreiteilige Gespließte mit geschätzten drei Metern Länge aufgefallen, die von der Machart her eindeutig von DAM war. Ich hatte mir nämlich damals schon einen Blick für die typischen Unterscheidungsmerkmale verschiedener Hersteller angeeignet. Außerdem kannte ich das Fertigungsprogramm aus dem aktuell noch gültigen 26er Katalog - im Vorjahr für 50 Pfennig Schutzgebühr erworben und vom häufigen Gebrauch schon recht speckig geworden - selbstverständlich in- und auswendig. Eine Master? Nein, dafür war sie viel zu schlank! Mal näher untersuchen. Hmmm, noch die alte Bindungsart, also nicht die mit dem Silberpapier, dazu noch die brünierten Hülsen... Was steht denn drauf? Ein Blick auf die betreffende Stelle sollte Klarheit schaffen – tat es aber in dem Fall leider nicht: 3,00m / Saale / Nr.126 war dort zu lesen. Das Modell war mir völlig unbekannt. Die musste wohl schon mindestens drei Jahre dort als Ladenhüter ihr Leben gefristet haben. Denn wäre sie jünger, müsste sie ja auch im 26er Katalog - Erscheinungsjahr 1958! - zu finden sein. Das war meine selbst zurechtgelegte Erklärung für diesen Fund. Andererseits hatte ich mich sofort in diese Rute verschaut: entsprach sie doch genau dem, was ich mir unter einer leichten Schleienrute und zum Spürangeln vorgestellt und gesucht hatte. Im gerade erst neu aufgelegten Stork-Katalog 60/1 war sie übrigens auch noch gelistet - auf Seite 16 unter der Nummer 53 und der Bezeichnung „Gespl. Grundrute“. Tztztz! Trotzdem - sie war die letzte ihres Stammes, ein Einzelstück. Leider konnte ich mich nicht zum Sofortkauf entschließen, denn dieses Exemplar hatte am Hülsensitz zwischen Hand- und Mittelteil einen leichten Knick – schade! Etwa drei Monate später, als ich es mir anders überlegt hatte und trotz des festgestellten Handicaps fest zum Kauf entschlossen war, war sie nicht mehr da. Rien ne va plus… Vor knapp 2 Jahren, also 46 Jahre später, bin ich über das große Internet-Auktionshaus doch noch zu diesem Jugendtraum gekommen. Allerdings nicht mehr zum Preis von 45 DM, mit dem sie damals ausgezeichnet war. Weil ich eben von einem Ladenhüter berichtet habe, fällt mir noch ein weiteres Beispiel für fragwürdige Markteinschätzung bei Stork ein. Es betrifft den Nebenkriegsschauplatz der Spezialliteratur, die es selbstverständlich auch gab und die im 60/1er Katalog, meinem ältesten Nachschlagewerk, noch mehrere Seiten umfasste. „Fische und Fischer“ lautet der Titel eines Buches von Karl Rühmer, das laut exlibris–Eintrag im Jahr 1961 von mir persönlich erworben worden ist. Neu, nicht antiquarisch. Auf der 2. Umschlagseite stehen die Angaben „2.Auflage“ und das Jahr 1944. Sehr wahrscheinlich, dass dieses Exemplar schon Bombenhagel und Kriegsende in der Residenzstraße heil überlebt hat. Die „verlängerte Werkbank“ Die Fa. Stork galt bekanntlich sowohl als Fachhandel wie auch als Hersteller von Angelgerät. Ersteres wird durch die Selbstdarstellung im eigenen Katalog mit der Formulierung „Vertretung erster inländischer und ausländischer Firmen“ herausgestellt. Und als eigene Erzeugnisse findet man zumindest 1960 noch die Vollglasrutenserie „Saphir“ und die bekannten „Kohinoor“-Gespließten im Hauskatalog. Auch Vorfachhaken und Kunstköder wie Fliegen scheinen den Katalogangaben nach aus eigener Fabrikation zu stammen. Wo aber wurden diese Artikel fabriziert? Meine Vermutung geht in die Richtung, dass auch damals schon das Prinzip der verlängerten Werkbank zum Tragen gekommen ist. Das bedeutet vergebene Aufträge an Sublieferanten, zu denen natürlich auch, wo kaufmännisch sinnvoll und technisch möglich, Heimarbeit zählen kann. Durch Zufall bin ich nämlich - 1963 war ´s - über die Wendeltreppe hinten rechts in das Obergeschoss geleitet worden, als es um die Teile zum Bau einer leichten Rute (ich war immer noch auf der Suche nach einem Saale-Ersatz!) ging. „Da müssten wir noch was haben“, meinte der andere Chefverkäufer neben Herrn S., dessen Name mir aber leider entfallen ist. Am Rande: Weil beide Herren zumindest bei meinen Besuchen aber niemals zugleich im Laden waren und sich äußerlich durchaus nicht unähnlich waren, hatte ich da immer meine Probleme. Oben angekommen, haben wir dann einen Raum mit knapp 30 Quadratmetern betreten. „Hier ist früher gearbeitet worden, als wir noch Ruten selbst hergestellt haben“ erklärte mein Begleiter und ergänzte den Satz mit dem Hinweis, dass in diesem Raum heute nur noch kleinere Reparaturen durchgeführt würden. Wir machten uns dann gemeinsam auf die Suche nach einem kompletten Satz für eine Dreiteilige, der hier vor ein paar Wochen noch rum gelegen haben soll. Kurz danach war das Gesuchte auch gefunden. Es waren Handteil, Mittelteil und Spitze für eine gespließte Fliegenrute. Drei wirklich gute, sauber gefertigte Rohlinge. Blanks würde man heute sagen. Und weil man sie mir für 9 DM das Stück angeboten hat, habe ich sie gleich mitgenommen. Auch passende Hülsen fanden sich noch in der verlassenen Werkstatt, während die anderen Komponenten wie Korkscheiben, Ringe etc. ganz regulär drunten in den Schubfächern der Ladentheke zu finden waren. Ich war mir damals schon sicher und bin es auch heute noch, dass selbst die Rutenfabrikation bei Stork nur eine Montage zugekaufter Einzelteile war. Denn für eine größere Fertigungstiefe haben zumindest Anfang der 60iger Jahre die Räumlichkeiten gefehlt. ![]() Lageplan aus einem 50er Jahre Stork Katalog.
Schnäppchen machen bei Stork - dazu fällt mir folgende Episode ein: Wenn mein Bruder und ich bei Stork stöberten, haben wir nicht viel um uns herum mitbekommen. Dazu waren wir viel zu beschäftigt. Andererseits waren, nachträglich betrachtet, auch nie viele Kunden im Laden, die uns dabei hätten stören können. Eines Tages kam ein Mann in den Laden und fragte nach einer Spule für seine Rolle. Ich muss wohl in dem Moment etwas aufmerksamer gewesen sein, denn einen Blick über die Schulter habe ich dann doch geworfen. Und was sehe ich? Er hält dem Verkäufer eine Standard entgegen, mit Bremsmutter, aber ohne Schnurspule. „Die werden schon lange nicht mehr hergestellt, da haben wir nichts mehr da“, bedauerte der Verkäufer. Der Kunde hat sich damit abgefunden und daraufhin nach einem preiswerten Ersatz für das seiner Meinung nach jetzt nutzlos gewordene Ding gefragt. Während der Verkäufer gerade dabei war, entsprechende Angebote aus der Schauvitrine vorzulegen, habe ich die Situation ausgenutzt und frech gefragt, wie viel er denn dafür haben möchte. Die Standard war nämlich auch so eine Position auf der Wunschliste und dieser phantastische Zustand... „Sagen wir 10 Mark, wäre das o.k.?“ war seine Forderung. Ich habe daraufhin schnell meine Geldbörse gezogen, dort aber nicht das Passende gefunden und ihm daher einen Zwanni entgegen gestreckt. „Kann leider nicht rausgeben“, meinte er darauf. In dem Moment drückte ihm mein Bruder den passenden kleinen Blauen in die Hand und war neuer Besitzer geworden. Der Kunde zog kurz danach sichtlich zufrieden mit einer niegelnagelneuen Quick 228 zu 21,- DM wieder ab. Mein Bruder war überglücklich und ich konnte es verschmerzen, weil das gute Stück zumindest in die Familie gekommen war. Unser Händler am Ort konnte wie erwartet zwei Ersatzspulen zu Dreifuffzig das Stück ordern und damit war die Standard drei Wochen später wieder komplett. Einige Jahre später habe ich auf dem weihnachtlichen Gabentisch ein Päckchen von meiner Tante gefunden. Inhalt: drei Standard (diesmal aber alle mit Spule)! Auf die Frage, wo und wie sie an diese Stücke gekommen wäre, hat sie nur geschmunzelt und gesagt, dass ihr der Stork dabei etwas behilflich gewesen ist... Mein letztes Blitzlicht fällt auf das Jahr 1974 Meine damalige Freundin und heutige Frau war auf dem Weg zu einem kurzen Studienaufenthalt nach England in der Nähe von London, von der sie mir auch versprochen hatte, etwas mit zu bringen. Was es denn sein sollte? „Nun, du kennst doch meine Vorliebe für alte Holzruten. Diese mit dem sechseckigen Querschnitt wie ein Bleistift“ meinte ich, „vielleicht läuft dir da was günstig über den Weg. In London soll es doch noch so alte Geschäfte und Trödlerläden geben“. Wieder zu Hause angekommen, überreichte sie mir stolz ein Papprohr mit 3 Rohlingen, die sie tatsächlich aus dem Speicher eines alten Anglerladens auftreiben konnte. Es handelte sich um ein Handteil und zwei Mittelteile, zu denen zweifellos auch einmal ein Spitzenteil gehört hatte. Vom Gewicht und der Dimension her waren die Teile vermutlich für eine 12“ Lachsfliegen- oder vielleicht auch Coarse-Rute bestimmt gewesen. Wie könnte es auch anders sein: Alles, was zur Vervollständigung und zum Aufbau einer einsatzbereiten Grundrute - ich hatte mich für diese in unseren Breitengraden zweckmäßigere Ausführung entschieden - habe ich noch beim Stork auftreiben können. Das fehlende Spitzenteil stammt von einer 3,60m langen Rute von Inlet. Und zwar von der leichteren der beiden Ausführungen. Wer den gelben 5/6er Katalog hat, findet die separat lieferbare Reservespitze auf Seite 14 unter der Nr. 10/1 zu 40 DM. Und für genau diesen Preis konnte ich sie auch knapp 10 Jahre und zwei Kataloggenerationen später noch bekommen. Fast schon selbstverständlich, dass auch Korkringe für den Griff, passende Hülsen, Schraubrollenhalter, Gummiendkappe und Ringe problemlos bei diesem Einkaufsbesuch erhältlich waren. Was aus dem zweiten Mittelteil geworden ist? Bei mir findet alles Verwendung! Daraus wurde ein Handteil. Macht dann eine 2teilige Spinnrute mit 8“ Länge, die sogar erstaunlich gut wirft. Zum Schluss noch ein paar Feststellungen, zutreffend auf „meinen“ Berichtszeitraum:
In den Katalogen waren, was das Rutenangebot betrifft, selbstverständlich auch Produkte deutscher Hersteller wie Noris und DAM aufgeführt, aber ohne Herstellerangabe. Für diese Artikel gab es nur die hausinterne Katalognummer. Im höherpreisigen Bereich wurden die Namen Hardy, P&M etc. zusätzlich angegeben. Billigruten aus sog. Japanbambus waren zu keiner Zeit in den Katalogen aufgeführt und waren auch nicht zu bekommen (im Gegensatz zu Brink oder Flechsenberger). Die Stationärrollen im Katalog waren immer mit Herstellerangabe, also keine verkappten Hausmodelle. Die damalige Inhaberin, Frau Sofie Stork, habe ich in diesem Zeitraum nie persönlich angetroffen. Selbstbedienung war nicht möglich. Die Artikel wurden vom Verkäufer ausgegeben und für den Kunden in Einkaufsschalen gesammelt. Die Beratung war stets unaufdringlich und neutral. Die Angebotsbreite war deutlich umfangreicher als das reine Katalogangebot. Der Rhythmus der Neuauflagen des Hauskatalogs war im Schnitt 4 Jahre. Zu Beginn der Siebziger Jahre trat in den Katalogausgaben 9/0 und 7/4 eine deutliche Verschlankung des Angebots ein. Text u. Bilder: Reinhard Götz, Landshut |