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Hardy Deutschland


Die durch John James Hardy und William Hardy im Jahre 1873 gegründete Firma Hardy Bros. hat nicht nur hervorragendes Angelgerät hergestellt, sondern die Hardy-Brüder waren auch exzellente Verkäufer. Insbesondere in der Zeit zwischen der Wende zum 20. Jahrhundert und bis zum 2. Weltkrieg konnte Hardy seinen legendären Ruf aufbauen. Mit der zunehmenden Verbreitung des Angelsports, auch im deutschsprachigen Raum, hat Hardy hier schon sehr früh das Potential für seine Geräte erkannt. Bereits 1903, in der 1. Auflage des berühmten Buchs von Dr. Heintz, Der Angelsport, hat Hardy eine ganzseitige Werbeanzeige in deutscher Sprache geschaltet.

Bild 1: Heintz, der Angelsport, 1903.


In dem vorliegenden Jubiläums-Katalog von Stork, München, aus dem Jahre 1911 werden dann auch Hardy Geräte verkauft, wie die weltbekannte Perfect-Fliegenrolle und zum Spinnfischen die entsprechenden Silex-Rollen. Hier ist auch schon sehr früh die besondere Anforderung des deutschen Marktes an Hardy-Fliegenrollen zu erkennen.

Bild 2: Stork, Jubiläumskatalog, 1911.


Bild 3: Hardy Perfect, silent check, Stork-Katalog 1911.


Bild 4: Hardy Silex , Stork-Katalog 1911.


Im englischsprachigen Raum werden Rollen mit Knarre bevorzugt um den Abzug des Fisches zu hören. In Deutschland mochte man es leiser, sodass die stille Hemmung (sog. "silent check") ein typisches Merkmal für Hardy-Fliegrollen auf dem deutschen Markt wurde. Laut dem ehemaligen Geschäftsführer William (Bill) Hardy war Deutschland der Markt für diese Rollen. Hierfür hat Hardy auch Abweichungen von seinem Standardprogramm zugelassen. Im Buch von Dr. Winter, Flugangeln, Ausgabe 1939, ist eine Hardy St. George mit einem silent check abgebildet. Zu dieser Zeit wurde aber nur die Perfect mit diesem Bremsmechanismus ausgestattet. Diese St. George muss somit eine spezielle Anfertigung für den deutschen Markt gewesen sein.
Im Jahre 1914 taucht dann eine zweite Persönlichkeit auf, die für den Vertrieb der Hardy Geräte in Deutschland von besonderer Bedeutung war. Herr Leon Seutin, holländischer Abstammung und in Belgien beheimatet, hat eine besondere Beziehung zu Hardy gepflegt. Im Hardy-Katalog desselben Jahres beschreibt Herr Seutin die Fischerei in seiner Heimat, den Ardennen und den angrenzenden Regionen Westdeutschlands und Luxemburgs. Wahrscheinlich kriegsbedingt wird im Jahr darauf nur noch Belgien und Luxemburg genannt.

Bild 5: Hardy Katalog, 1914.


Bedingt durch den 1. Weltkrieg wird es dann still mit Hardy-Gerät in Deutschland, doch in den goldenen zwanziger Jahren versucht Hardy wieder verstärkt auch in Deutschland Fuß zu fassen. Ab dem Jahr 1926 wird Stork-München als Generalvertreter für München/Bayern und Deutschland sowie Herr Leon Seutin für den Benelux-Raum im offiziellen Hardy Katalog genannt. Ab 1929 ist dann Stork nur noch für München und Bayern und Seutin für den Rest Deutschlands verantwortlich. Mit der wirtschaftlichen Verbesserung war es wieder möglich, das doch im Verhältnis zu deutschen Erzeugnissen teurere Hardy Gerät zu verkaufen

Bild 6: Händlerliste, Hardy Katalog, 1928.


Im Jubiläumskatalog von Stork aus dem Jahre 1926 sind jetzt auch wieder Hardy Geräte im Angebot. Zum Fliegenfischen die Hardy St. George - selbstverständlich mit stiller Hemmung - und zum Spinnfischen die bekannte Silex-Rolle sowie zusätzlich noch ein Rutenmodel für jeden Rollentyp.

Bild 7: Stork-Katalog, 1926.


Bild 8: Hardy St. George, Stork-Katalog 1926.


Bild 9: Hardy Silex Major, Stork-Katalog 1926.


Bild 10: Hardy Rute, Stork-Katalog 1926.


Ende der 20er und 30er Jahre tritt jetzt auch Leon Seutin verstärkt in Deutschland auf. Mit Anzeigen in den damaligen Angelsportzeitschriften wirbt er für sein Angelgerätegeschäft und für die Waren der Firma Hardy, die er fasst ausschließlich vertreibt. Auch ist er in Deutschland im Bereich der Fischerei und des Tunier-Sports jetzt recht aktiv und nimmt z.B. 1927 in Hannover bzw.1929 in Berlin an entsprechenden Turnieren teil. Im Bild 14 von links nach rechts im Vordergrund : L. Seutin, M. Piper, Frl. Consentius, Generalkonsul Kellner, Parlow, Vavrous.

Bild 11: Anzeige, Seutin, Zeitschrift Der Sportfischer.


Bild 12: Anzeige, Seutin, Zeitschrift Der Sportfischer.


Bild 13: Seutin auf einem Wurftunier in Hanover, 1927.


Bild 14: Seutin neben Max. Pieper und Generalkonsul Kellner auf der grünen Woche, 1929 in Berlin .


Bild 15: Seutin beim Fischen in Oberbayern (die genannte Fischart bleibt sein Geheimnis).


1928 gibt er einen sehr schönen Gerätekatalog in deutscher Sprache mit 102 Seiten heraus. In diesem werden fast ausschließlich Hardy Gerät angeboten.

Bild 16: Angelgerätekatalog, Leon Seutin, 1928.


Bild 17: Hardy Angelrollen aus Seutin-Katalog, 1928.


Bild 18: Hardy Fliegenruten aus Seutin-Katalog, 1928.


Das Hardy königliches Gerät gefertigt hat, zeigt der vorliegende Katalog von Leon Seutin, speziell für seine Königliche Hoheit dem Herzog Ernst-August zu Braunschweig und Lüneburg in rotes Maroquin-Leder eingebunden.

Bild 19: Seutin-Katalog, 1928.


Stork bleibt auch in den 30er Jahren der Generalvertreter für Hardy in München und Bayern. Neben der Hardy St. George wird jetzt auch die bekannte Hardy-Perfect angeboten, wieder mit stiller Hemmung. Obwohl alle offiziellen Hardy Kataloge bis zum Kriegsbeginn Stork als offiziellen Vertreter nennen, wird Hardy in den Stork-Katalogen von 1937 und 1938 nicht mehr geführt. Anderes englisches Gerät bleibt weiterhin im Angebot.

Bild 20: Stork-Katalog, 1932.


Bild 21: Hardy Perfect und St. George aus Stork-Katalog 1932.


Bild 22: Hardy Silex Major aus Stork-Katalog 1932.


Bild 23: Hardy Spinnrute aus Stork-Katalog 1932.


Im Jahre 1932 bringt Hardy den nächsten bedeutenden Fortschritt im Bereich der Angelgeräte auf den Markt. Die Hardy Altex ist die erste Stationärrolle mit automatischem Schnurfangbügel. Obwohl für damalige Verhältnisse recht teuer, versucht Leon Seutin diese in Deutschland auf den Markt zu bringen und schaltet entsprechende Anzeigen in den damaligen Angelzeitschriften. Auch gibt er eine spezielle 24 Seiten umfassende deutsch-sprachige Broschur heraus, die die Vorzügen und den Umgang mit der Altex-Rolle beschreibt. Darin ist auch sein Freund Herr Dr. Witzenrath aus Koblenz abgebildet, mit dem er viele fischende Stunden an den Eifelgewässern verbracht hat. Ganz typisch für die damalige Werbestrategie waren Berichte über die Kundenzufriedenheit. Diesem Mittel bediente sich Seutin in seiner Broschüre ebenfalls.

Bild 24: Seutin-Broschüre, Hardy Altex Rolle.


Bild 25: Seutin-Broschüre, Hardy Altex Rolle.


Bild 26: Dr. Witzerath mit Hardy Altex Rolle.


Diese bedeutende technische Weiterentwicklung war auch dem Sportfischer eine überdurchschnittlich breite Beschreibung, über mehrere Seiten wert.

Bild 27: Beschreibung der Altex Rolle im Sportfischer 1933.


Eine andere Persönlichkeit im Zusammenhang mit Hardy und Deutschland darf hier ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Herr Generalkonsul Kellner war in den zwanziger und dreißiger Jahren ebenfalls eine Autorität im Bereich des Angelsports und stand im engen Kontakt mit den einzelnen Geräteherstellern. Noris, Nürnberg, hat z.B. 1928 speziell für Herrn Kellner die so genannte Kellner-Fluggerte entwickelt. Hierbei ist das Spitzenteil länger als dass Mittelteil, um die Versteifung der Hülse zu kompensieren. Erst viele Jahre später hat Charles Ritz dies allgemein bekannt gemacht.

Bild 28: Noris Kellner Rute aus Noris-Katalog 1928.


Bild 29: Generalkonsul Kellner beim Fischen in der Wiesent.


Bild 30: Generalkonsul Kellner mit einer schönen Forelle.


Hardy hat aus Marketinggründen viele seiner Geräte nach bekannten Größen des Angelsports benannt, wie z.B. die Hardy Bouglé Fliegenrolle, die kürzlich wieder aufgelegt wurde. Für Herrn Generalkonsul Kellner aus Berlin und Leon Seutin hat Hardy in den 30er Jahren ebenfalls eine spezielle, nach diesen Herren benannte Rute entwickelt, was zur damaligen Zeit schon etwas bedeutet hatte.

Bild 31: Leon Seutin-Katalog, 30er Jahre.


Bild 32: Hardy Seutin/Kellner Fliegenrute, 30er Jahre.


In Berlin, der Hauptstadt des deutschen Reiches, gab es ebenfalls einen Angelgerätehändler der Hardy-Gerät verkaufte. Die Firma „Angelgeräte GmbH“ hat in den 30er Jahren Hardy Rollen und Ruten in Ihren Katalogen angeboten. Da diese Firma kein offizieller Hardy Repräsentant war, erfolgte die Lieferung eventuell über die bereits bestehenden Händler Stork bzw. Seutin. Hier ist noch Platz zum Forschen.

Bild 33: Katalog Angelgeräte GmbH, 1932.


Bild 34: Hardy St. George aus Katalog Angelgeräte GmbH.


Auch Österreich und Schweiz hatten ihre Hardy Repräsentanten. Für Österreich hatte dies offiziell ab 1937 die Firma Fritz Steurer in Wien übernommen und für die Schweiz ab 1927 die Firma Wicki in Luzern.
Im Jahre 1937 wurde der letzte große Hardy Katalog vor dem Krieg herausgebracht und dann direkt zwei Stück. Einmal der Standard-Katalog für das Jahr 1937, bei dem die Repräsentanten wie bisher geführt wurden und zusätzlich ein Krönungsausgabe. Kurioserweise gibt es im Standard-Katalog keinen Vertreter für Deutschland mehr, nur noch Stork für München und Bayern. Der bisherige Deutschland-Repräsentant Leon Seutin wird nicht mehr erwähnt, dafür aber J. van Cottom für den Benelux-Raum, die Firma Steuer erhält zusätzlich das Sudetenland.

Bild 35: Händlerliste, Hardy Katalog 1937.


Bild 35-1: Händlerliste, Hardy Katalog 1937.


In dem vorliegenden Katalog der Firma Steurer aus den 30er Jahre sind neben diversen Hardy Ruten auch die bekannten Rollen Perfect und St. George abgebildet.

Bild 36: Steurer-Katalog Wien, 30er Jahre.


Bild 37: Hardy Perfect und St. George aus Steurer-Katalog 30er Jahre.


Bild 38: Hardy Fliegenruten aus Steurer-Katalog 30er Jahre.


Woran erkennt man nun Hardy Gerät, dass über die Repräsentanten verkauft wurde?
Hardy hat die Ruten und Rollen, die für die Repräsentanten bestimmt waren, zusätzlich mit deren Namen und Ort beschriftet. Die Ruten wurden zusätzlich graviert, die Rollen erhielten eine kleine Aluminiumplakette mit dem Namen und Ort des jeweiligen Händlers. Diese Plakette findet man entweder innen oder außen an der Rolle angebracht.

Bild 39:Vorderseite Hardy St. George, 3 Zoll, silent check, 20er Jahre.


Bild 40: Rückseite Hardy St. George, 3 Zoll, silent check, 20er Jahre mit Stork-Plakette.


Bild 41: Vorderansicht Hardy Silex Major, 3 Zoll, 20 er Jahre mit Stork-Plakette.


Bild 42: Rückansicht Hardy Silex Major, 3 Zoll, 20 er Jahre mit Stork-Plakette.


Bild 43: Hardy Perfect, 3 1/8 Zoll, silent check, 30er jahre.


Bild 44: Bremsmechanik, Hardy Perfect, 3 1/8 Zoll, silent check, 30er Jahre mit Stork Plakette .


Bild 45: Bremsmechanik, Hardy Perfect, 3 1/8 Zoll, silent check, 30er Jahre mit Seutin Plakette.


Bild 46: Vorderansicht, Hardy Silex Major, 4 ½ Zoll, 30er Jahre.


Bild 47: Rückansicht, Hardy Silex Major, 4 ½ Zoll, 30er Jahre mit Stork Plakette.


Bild 48: Hardy Rute mit Stork Logo auf dem Rollenhalter, 30er Jahre.


Über weitere Informationen zu Hardy im deutschsprachigen Raum würde ich mich sehr freuen.

Text u. Bilder: Christian Budday (E-Mail)