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Decoys - Kunstköder ohne Haken




Noch bevor der erste Angler einen mit Drillingen bewehrten Wobbler durch Wasser ziehen konnte, saßen nordamerikanische Indianer und Eskimos an einem Eisloch und beobachteten ein kleines Holzfischchen. Dieses Decoy (engl. "Lockvogel") - eine kunstvoll aus Holz geschnitzte und bemalte Fisch-Imitation – zupften sie an einer Schnur hängend mit einer kurzen Rute auf und ab. Form und Flossenstellung der Holzfische sorgten für aufreizende Lock-Bewegungen. Für Räuber unwiderstehlich!




Doch das Decoy hatte keinen Haken – zeigte sich ein Musky oder Hecht und nahm sogar den Lockköder, dann wurde er vorsichtig an die Oberfläche geführt und mit einem Fischspeer aufgespießt. Seit der Steinzeit funktioniert diese Methode – in der Region um die Großen Seen ist sie immer noch erlaubt und wird noch heute mit Hingabe praktiziert.




Die Europäischen Siedler übernahmen im 18. und 19. Jahrhundert diese kunstvolle Methode des Hechtfangs – bauten sich Holzhäuschen mit Ofen über die Eislöcher, perfektionierten die Hechtgabeln zu todsicheren Fangmaschinen und schufen mit ihren Decoys regelrechte Kunstwerke. Die Lockfische der letzten Tausend Jahre liegen als wunderschöne Beispiele der Volkskunst heute in amerikanischen Museen. Selbst Decoys aus dem letzten Jahrhundert erzielen bei Sammlern Preise von mehreren Tausend US-Dollars.

Große Augen
Doch um das alles geht es in diesem Beitrag eigentlich gar nicht: Beim Betrachten der uralten Indianer-Decoys fiel mir auf, dass sie eines immer gemeinsam haben: große Augen. Oft wurde von den amerikanischen Ureinwohnern auf die Bemalung verzichtet, manchmal musste sogar ein einfacher Walrosszahn als Lockfischchen für die Eisangelei herhalten – aber große Augen hatten die Decoys immer!






Dieses Gestaltungsmerkmal eines Hechtköders hat sich wohl seit der Steinzeit bewährt. Denn auch Menschenwerke entwickeln sich evolutionär: Was sich über die Jahre bewährt, wird nicht verändert! Offensichtlich haben schon die alten Indianer bemerkt, dass Decoys ohne Augen nicht fangen. Die Farbe und Bemalung ist vielleicht nicht so ausschlaggebend – darüber könnten wir heutigen Kunstköder-Angler mal nachdenken ...


Text: Thomas Kalweit

Bilder:
Mit freundlicher Genehmigung von Steven Michaan:

www.fishdecoy.com
www.fishdecoystore.com

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